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Hieronymustag 2016: Lesung mit Literaturübersetzer Michael Kegler voller Erfolg

Am 30.09. gab es aus Anlass des Internationalen Übersetzertags eine Premiere – der BDÜ Landesverband Hessen e.V. und die Weltlesebühne e.V. baten gemeinsam zu einem Werkstattgespräch mit Literaturübersetzer Michael Kegler: Mit der Veranstaltung "Ich war in Lissabon und dachte an... viele Pferde" stellte der Übersetzer seine Arbeit am Werk des portugiesischen Lyrikers Luiz Ruffato vor.

In der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Buchhandlung am Markt in Offenbach empfingen Andrea Tuscher und Annette Pitz als freundliche Gastgeberinnen ihre Gäste mit einem Gläschen Wein oder Wasser. Nach einer Begrüßung durch Gabi Engel (BDÜ Regionalgruppe Offenbach) ging es auch schon los:

Michael Kegler begann mit einer sehr anschaulichen Vorstellung des Autors Luiz Ruffato. Seinen Worten zufolge war es ein „wahres Glück“, dass dieser Autor ihm zugefallen sei – unter anderem auch, weil Kegler Teile seiner Kindheit in Brasilien, knapp 200 Kilometer von Ruffatos damaligem Wohnort verbracht hat. So verstehe Kegler die Sprache der einfachen Leute, die Ruffato in seinen oft ohne Punkt und Komma geschriebenen Gedankenfolgen verwendet.

„Es waren viele Pferde“, das Stimmungsbild eines Tages in São Paulo in 69 Szenen, ist kein einfaches Buch, aber vielleicht kann man den Wahnsinn einer 20-Millionen-Megalopolis nur so einem Außenstehenden begreiflich machen. Eine dieser Szenen las Michael Kegler vor und vermittelte damit einen wunderbar lebhaften Eindruck sowohl von der Situation als auch vom gesamten Buch.

Danach beschrieb er die Probleme, die sich ihm bei der Übersetzung stellten: Wo setze ich eine Zäsur im Gedankenfluss, wo lege ich den Schwerpunkt bei einer Aufzählung, ist der Rhythmus wichtiger oder der Inhalt, wie vermittle ich die einfache Sprache mancher Protagonisten, übertrage ich regionale Besonderheiten oder Dialekt. Ein Buch, das Michael Kegler Zeit gekostet hat – allerdings hat sich zumindest dieses Mal die Mühe für den Übersetzer gelohnt, denn er wurde damit zweifach ausgezeichnet: 2014 erhielt er den Straelener Übersetzerpreis (gemeinsam mit Marianne Gareis) und 2016 den Internationalen Hermann-Hesse-Preis, der zu gleichen Teilen an den Autor und den Übersetzer geht.

Weiter ging es zum zweiten Buch des Abends „Ich war in Lissabon und dachte an dich“, die Geschichte eines Brasilianers, der versucht, in Portugal Fuß zu fassen – Migration rückwärts sozusagen.

Insgesamt war es ein sehr lebhaftes und unterhaltsames Gespräch, an dem sich gegen Ende das Publikum mit aufmerksamen Fragen beteiligte, der Abend des 30. September klang mit einem kleinen Stehempfang gemütlich aus.

Den ungekürzten Bericht von Barbara Neeb (BDÜ LV Hessen e.V., Weltlesebühne e.V.) können Sie in Kürze in der Herbstausgabe unserer Mitgliederzeitschrift Hessen-Info lesen.


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